Mit unterschiedlichen Teilnehmern sind wir nach Hamburg, Bremen und Braunschweig zu den Drogenszenen gefahren. Alisha Giebel schreibt Folgendes über den Einsatz in Hamburg: „Dass Hamburg eine große Drogenszene hat, war uns bekannt. Aber was uns am Mittwochmittag auf einem der drei größten Szeneplätze erwartete, überstieg zum Teil doch unsere Vorstellungskraft. Da wir ausreichend Mitarbeiter waren, konnten wir uns gut aufteilen, um Interessierte auch mit Gespräch und Infos über unsere Arbeit zu versorgen und über unser Ziel des Tages zu berichten. Auch war Zeit, das Geschehen, in welchem wir gelandet waren, auf sich wirken zu lassen. So einiges erschloss sich vor unseren Augen:
Menschen, auch direkt neben unserem Bus, die versuchten, sich gegenseitig in den unterschiedlichsten und verstörendsten Arten beim Konsum ihrer Drogen zu „helfen“.
Viele junge Frauen, verbraucht und erschöpft, viele gerade um die zwanzig oder auch jünger. Eine Messerstecherei zwischen 5 jungen Männern, woraufhin zweimal Polizei und Krankenwagen anrückten.
Ein Auto, aus dem jemand ausstieg, um kurz eine Kiste mit Essen auf der Wiese abzustellen und schnell wieder das Weite zu suchen. Kurze Zeit später ein alter Mann, der mit seinem PKW auf den Platz fuhr und aus seinem Kofferraum Sandwiches auspackte, um sie persönlich an die Menschen zu verteilen.
Und hunderte von Tauben, die das Bild von hektischem Treiben und Schmutz noch verdichteten.
Viele der Menschen kamen nur kurz, um bei uns Kaffee oder Wasser abzugreifen, doch manche blieben interessiert stehen und stellten Fragen zu unserer Arbeit. Wir konnten Mut für ein suchtfreies Leben machen, motivieren, die Entgiftung anzutreten und sich danach in der Clearingstation zu melden oder auch Worte der Wahrheit aus dem Wort Gottes weitergeben.
Es war, verglichen mit der großen Menge an Menschen, nur ein kleiner Teil, aber dieser schien meist vorbereitet auf und offen für unsere Worte zu sein.
Deutlich wurde in den Gesprächen, was für ein Sog dieser Ort war. Keiner wollte wirklich hier sein. Viele berichteten mit Tränen in den Augen über ihre gefühlte Ausweglosigkeit, die an diesem Platz herrschte, manche waren erst seit ein paar Monaten dort, andere schon viele Jahre. Die Abhängigkeit von den Substanzen, von der ständigen Präsenz der Dealer, aber auch von den konsumorientierten Beziehungen lassen die Menschen nicht los. Die selbstgeglaubte Würdelosigkeit, in welche so viele bereits versunken waren, erschütterte uns mit jeder Stunde mehr, die wir dort verweilten.
Da war es schön, den Platz mit Lobpreis zu füllen. Die Atmosphäre änderte sich für einen Moment und so manche kamen und setzten sich in unsere Nähe.
Verglichen mit dem Leid fühlt sich ein solcher Einsatz an wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber zum Glück dürfen wir wissen, dass unser Gott größer ist als unsere kleine Kraft.“