"Mein Vertrauen war kaputt getrampelt. Ich war immer hin- und hergerissen."

"Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich nie etwas richtig gemacht. Ich konnte mich mühen, wie ich wollte. Statt Lob kriegte ich immer noch eins drauf. Ich wusste nie richtig, wo ich hingehörte. Ich bin ein Scheidungskind. Meine Väter wechselten und nahmen mir in meinem Erleben meine Mutter weg. Mein leiblicher Vater war kriminell und trank. Mein 1. Stiefvater war extrem aggressiv und trank ebenso. Meine Mutter musste sich und uns Kinder immer wieder in Sicherheit bringen. Ich wurde dann immer wieder aus meiner Umgebung gerissen. So richtig Kind sein konnte ich nie, immer musste ich auf meine jüngeren Geschwister aufpassen.

Ein Erlebnis hat sich tief in meine Seele gegraben: Ich war neun Jahre alt, und war mit meinem siebenjährigen Bruder auf dem Eis. Er brach ein. Ich habe dann meine ganzen Kräfte zusammengenommen und habe ihn rausgezogen und gerettet. Das Ergebnis war, dass meine Mutter mich total fertig machte. Ich war bitter enttäuscht und tief verletzt.

Ich habe immer nach Anerkennung gesucht, habe sie aber nie bekommen. Um auf mich aufmerksam zu machen, habe ich dann viel geklaut – über Jahre. Das war wie Sport, aber auch anstrengend. Zur Entspannung habe ich dann, wie meine Väter, getrunken.

Mit 12/13 Jahren war ich dann immer wieder besoffen und zu spät nach Hause gekommen. Auch wollte ich abhauen, weit weg, aber die Polizei brachte mich immer wieder zurück.

Mein jüngerer Bruder stand mir im Weg. Ich dachte, hätte ich den nicht aus dem See geholt, müsste ich nicht auf ihn aufpassen und bekäme etwas mehr Aufmerksamkeit. Ich war verzweifelt und allein gelassen. Auf der anderen Seite jähzornig und aggressiv.

Als ich mich mit 16 Jahren mal wieder voll ungerecht behandelt fühlte, habe ich meine Hand gegenüber meiner Mutter erhoben. Das Ergebnis war, dass sie mich vor die Tür setzte. Zum Vater oder ins Heim, war jetzt die Frage. Ins Heim wollte ich nicht. Also ging ich zu meinem Vater. Er war wieder verheiratet und hatte zwei 10 und 11 Jahre jüngere Jungen. Ich kam zu ihnen aufs Zimmer, erlebte mich aber fremd hier und als Störenfried und Eindringling. Eigentlich wollte ich hier nicht bleiben, aber wohin sollte ich gehen? Also blieb ich ca. 1½ Jahre bei ihm, bevor ich in eine betreute Jugend-WG kam. Da war abends Saufen angesagt und erste Drogenkontakte.

Mit 19 Jahren musste ich hier wegen häufiger Frauenbesuche ausziehen. Meine Freundin war schwanger. Ich zog mit ihr zusammen. Die Geburt meines Kindes war einer der schönsten Momente meines Lebens. Trotzdem zog ich mit meinen Kumpels los und nahm immer mehr Drogen. Meiner Freundin gegenüber war ich eifersüchtig wegen nichts. Ich war immer unzufrieden und unausgefüllt. Ich betrog meine Freundin, schmiss meine Ausbildung, habe gedealt und war ständig unterwegs.

Mit 22 Jahren fing ich an Heroin zu konsumieren und habe mich anfixen lassen. Innerhalb von sechs Monaten war dann alles weg, von der Wohnung bis zur Freundin. Ich ging dann zum Bund, wurde dort aber nach ein paar Wochen wieder entlassen, weil ich breit rumgehangen hatte. Meine Perspektiven vom Leben, so weit ich sie hatte, waren alle kaputt gegangen.

Ich erkaltete immer mehr, war emotional abgestumpft, benutzte Menschen zum eigenen Vorteil, enttäuschte alle und wurde enttäuscht. Es war ein Kreislauf.

Das ging dann so weiter. Ich stürzte immer tiefer ab. Übelst. Drogen, Knast, mindestens 17-18 Entzüge, Therapien, düstere Erlebnisse, Frauen, Obdachlosigkeit.

Inzwischen war ich in Braunschweig gelandet. In der Szene traf ich einen Mitarbeiter von Neues Land Braunschweig. Ich war skeptisch, aber neugierig. Er versuchte mir Mut zu machen und erzählte mir was von christlicher Therapie. Was war das? Sollte ich mich darauf einlassen? Ich hatte alles Mögliche versucht, nichts hatte mir geholfen. Also, versuchte ich's mit 'ner christlichen Therapie. Das Alleinsein war mir zu stressig. Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Das Überleben in der Szene verlangte mir immer mehr ab.

Aber ich war noch nicht so weit. Ich brach mehrere Therapien ab und der ganze Ärger ging von vorne los. Doch der gute Mitarbeiter von Neues Land Braunschweig ging mir immer wieder nach. Er gab die Hoffnung nicht auf.

Und irgendwann hatte sich dann auch die Droge erledigt. Ich hatte auf die ganze Scheiße keinen Bock mehr. Ich war jetzt einfach müde. Das ist doch kein Leben. Und ich erinnerte mich, dass mir der Typ vom Neuen Land vom Beten erzählt hatte. Ich betete: "Ich will nicht mehr auf Droge. Gott, wenn es dich gibt, hilf mir jetzt!"

Die Hilfe sah dann so aus, dass ich ins Neue Land nach Hannover und von dort aus in die Therapie nach Schorborn ging.

Ich war jetzt so weit, dass ich echt Hilfe annehmen wollte. Ich machte zum ersten Mal wirklich Therapie. Mir wurde sogar Vertrauen entgegengebracht, was ich dann auch erwidern konnte. Das Vertrauen wurde zur Wende meines Lebens. Ich bekam eine Basis in mein Leben. Ich erlebte mich endlich angenommen wie ich bin. Ich konnte reden und offen sein. Ich musste nicht mehr lügen und mir auch nichts mehr vormachen. Ich war akzeptiert. Ich fühlte mich geborgen und wohl. Ich habe meine Schwachheit rausgelassen und bin sie angegangen. Ich konnte mehr und mehr meine Skepsis fallen lassen und Nähe zulassen und lernte, mit Autoritäten umgehen. Die ganze Last meines Lebens, meine Schuld und Sünde habe ich ans Kreuz Jesu gebracht und Gott hat mir vergeben! Stellt euch das vor! Ich bin das alles los! Da begann etwas ganz Neues in mir.

Vor der Therapie war ich emotional ein Krüppel und nun fand ich meine Gefühle wieder. Zu meiner Mutter fand ich eine neue Beziehung. Das waren heilsame Prozesse.

Zum Therapie-Ende war ich glücklich, dass ich die Zeit genutzt und sich was getan hatte. Ich habe ein gutes Stück Zufriedenheit erlangt und weiß was mit mir anzufangen. Ich habe eine berufliche Perspektive gewonnen und mache jetzt Schule.

Ich konnte und kann mich fallen lassen, "voller Vertrauen in Gottes Arm", so wie es in einem Lied heißt, das ich gerne singe. Ich bin aufgefangen und habe Kraft zum Leben.

Ich hätte nie gedacht, dass ich so noch mal die Kurve kriege, aber Gott hat es mit mir geschafft. Das macht mich glücklich.

Um meine Festigkeit zu stärken, bin ich in Schorborn geblieben. Ich mache Nachsorge, gehe zur Schule und lebe in der Gemeinschaft. Hier und da darf ich mithelfen. Man traut mir etwas zu! Ich weiß, es hört sich komisch an, aber ich bin ein neuer Mensch!"

Frank