"Lebenslänglich. Ich war 40 Jahre alt, als ich nach 16 Jahren aus dem Knast kam. "

"Es war der glücklichste Tag in meinem Leben. 16 Jahre waren eine echt lange Zeit.

Aber ich war affig und brauchte dringend Geld. Im Knast hatte ich geheiratet und lebte jetzt bei meiner Frau. Sie hat Geld verdient und ich war arbeitslos und hatte wenig Geld.
Schnell war ich wieder unzufrieden. Ich fing zu trinken an und damit begann der Zoff mit meiner Frau. Es zog mich zu Kumpels aus dem Knast und damit auch vermehrt zu Bier und Heroin. Als meine Frau das richtig realisierte, kam es zur sofortigen Trennung. Das hatte zur Folge, dass bei mir täglicher Konsum angesagt war.
Ich landete wieder auf der Straße. Mit Dealen hielt ich mich über Wasser.
Aber so konnte es nicht weitergehen. In Hannover am Steintor begegneten mir Leute vom Neuen Land. "Nimm dir doch mal den AUSWEG mit…". Ich nahm ihn mit. Die Leute aus dem AUSWEG schienen es geschafft zu haben. Das beeindruckte mich. Warum nicht auch ich??? Das war die Frage.
Ich ging in den BAUWAGEN, in die Beratung. Eine Entgiftung im Neuen Land schloss sich an. Aber was war? Entgiftung abgebrochen, bereut, zu stolz um zurück zu gehen. Wie sollte es weitergehen? Ich merkte, ich brauche 'ne Therapie. Und wenn Therapie, dann kommt nur das Neue Land in Frage. Durch den persönlichen Einsatz der Mitarbeiter wurde ich ein zweites Mal im Neuen Land aufgenommen. Und ich zog durch. Nach der Entgiftung ging ich in die Therapie. Das sind jetzt drei Jahre her. Und ich blieb.
Ich fand einen Ort des Vertrauens. Ich wurde angenommen, wie ich war. Ich - mit meiner Vergangenheit. Das schien den Mitarbeitern gar keine Probleme zu machen. Ich konnte mein Leben aufräumen, ich konnte mich knacken lassen. Und auf einmal lebte es sich anders, leichter und hoffnungsvoller. Ich lernte mich selbst anzunehmen. Meinen Fehlern ins Gesicht zu schauen. Und ich veränderte mich, wie ich es noch nie erlebt hatte.
Ich habe viel Verständnis von den Mitarbeitern bekommen und Hilfe erfahren und fand ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Therapeuten. Ich habe den Menschen vergeben gelernt, die mich verletzt hatten.
Mein Loser-Gefühl wich dem eines Siegers. Ich erlebte mich auf einem Weg, der bergauf führt.
Rückwärtig gesehen kann ich sagen, dass das die halbe Therapie war, dass ich ehrlich mir selbst gegenüber wurde und Vertrauen zu den Leuten fand, die mir helfen wollten. Ich habe das Leben zurück gewonnen.
Das hatte ich früh in meinem Leben verloren. Mein Vater hatte mich zum Versager gestempelt: "Aus dir wird nie was. Guck mal deinen Bruder an. Der wird was." Von Mutter bekam ich Liebe, vom Vater Hiebe.
Ich wurde rebellisch, weil ich praktisch all das nicht durfte, was ich wollte. Ich sollte parieren. Ich durfte nicht entscheiden welche Klamotten ich anzog, oder was ich machte oder trank. Als ich einmal Wasser statt Hagebuttentee trank, kam es zur Schlägerei mit meinem Vater. Er hat mich dann ständig provoziert, bis er mich mit 19 Jahren aus dem Haus schmiss: "Ich will dich hier nicht mehr sehen." Weil ich nichts zu sagen hatte, verschaffte ich mir schon früh Respekt auf meine Weise, z.B. durch Schlägereien mit meinen Mitschülern auf der Sonderschule oder durch Drogen. Die Drogen nahmen zu, täglich. Heroin, Kokain, alles. Ich verlor meine Arbeit, machte Schulden und es kam zu einem Raub mit Todesfolge. Dafür habe ich dann die 16 Jahre gesessen. Ja, ich habe Scheiße gebaut.
Aber heute bin ich glücklich, dass mein Leben doch noch so eine Wende nehmen durfte. Ich bin gewillt, das Beste daraus zu machen und ich weiß, dass Gott mir dabei hilft. Er hat mir Chancen gegeben und er wird mich weiterhin so führen, dass es für mich gut ist.
Nach meiner Therapie kam es noch einmal zu einem Rückfall, der mir die Augen dafür öffnete, dass ich doch Gott brauchte. Ich begann zu beten und vertraute mich mit meinem Leben Gott an. Meine Haltung hat sich seitdem weitergehend verändert. Ich kann dankbar sein und das auch aussprechen. Ich habe eine neue Ausrichtung und muss nicht mehr Drogen nehmen, um klar zu kommen. Ich komme mit Gott klar. Dass das aus meinem Munde kommt, ist mir selbst ein Wunder. Aber es ist so, wenn es auch nicht immer nur leicht geht. Und das Leben ist auch nicht immer nur leicht. Das habe ich gecheckt. Es geht voran. Das erlebe ich auch im Umgang mit meinen Eltern. Wir haben uns versöhnt und ich habe heute ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Vater. Das war früher unvorstellbar für mich.
Und dass ich nun selbst meine Geschichte in diesem AUSWEG schreiben darf, freut mich.
Vielleicht macht sie dir ja Mut?"
 

Michael