Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft und Kultur. Digitalisierung selbst meint die Veränderung von Prozessen, Objekten und Ereignissen die bei der zunehmenden Nutzung digitaler Geräte erfolgt. Mittlerweile Nutzen weltweit 3,9 Mrd. Menschen weltweit regelmäßig das Internet – 2010 waren es zum Vergleich mit 1,99 Mrd. Menschen noch knapp die Hälfte! Die durchschnittliche Nutzungszeit aller Altersklasse in Deutschland beträgt 196 Minuten pro Tag – ein Anstieg um 47 Minuten zum Vorjahr. In der Altersklasse der 14-30-jährigen sind es sogar um die 350 Minuten täglich.

Die Auswirkungen der Digitalisierung sind überall spürbar und lassen sich nicht begrenzen oder gar aufhalten. Der 15. Kinder und Jugendbericht der Bundesregierung drückt es so aus: „Wer nicht (digital) kommuniziert, nimmt nicht teil.“ Die Teilhabe – auch an Onlineaktivitäten – ist notwendig, um Kernkompetenzen auszubilden und zu erwerben. Ein Ausschluss oder eine starke Begrenzung der Onlineaktivitäten eines Jugendlichen, kann daher einer gesunden Entwicklung in einer digitalisierten Gesellschaft entgegenwirken.

Jedoch ist das nach Ansicht unserer Fachstelle kein Freifahrtsbrief für unreflektierten, unmündigen Medienkonsum! Mediennutzung muss begleitet, reflektiert und an den Reifegrad des Jugendlichen angepasst sein. Die Zeitsouveränität und Kontrolle, die Fähigkeit negativen Gefühle und Emotionen analog zu begegnen und digitale Medien in ein analoges Medienumfeld zu integrieren, sind Anzeichen eines gesunden Medienkonsums. Der (jugendliche) Nutzer soll der Herrscher über das Medium sein und nicht, durch Notifications, Push-Nachrichten oder den Klingelton die Nutzungsdauer und die Inhalte vom Medium diktiert bekommen.

Mit jeder neuen Technik gewinnen und verlieren wir etwas, stellte schon Neil Postman fest. Auch das trifft auf das Internet, das Smartphone und die Teilhabe am digitalen Leben zu. Eine Debatte, über Werte und Normen einder digitalisierten Gesellschaft, von Erziehung und Schule wird in den kommenden Jahren geführt werden müssen. Einige Fragen für das heutige Thema kann lauten:

  • Was ist Ihre Haltung zur Digitalisierung?
  • Wo stehen wir uns selbst und der Jugend im Weg?

Eine Teilantwort ist bereits gegeben: Mediensucht ist seit kurzen durch die „Internet Gaming Disorder“ durch die WHO als Krankheitsbild/Diagnose anerkannt. Damit wird es ab 2021 neue Instrumente und einen diagnostischen Rahmen für einen krankhaften Medienkonsum geben. Eine digitale Teilhabe von Jugendlichen ist jedoch notwendig, damit sie kritisch reflektierend, selbstbewusst und vor allem selbstbestimmt eine Medienmündigkeit entwickeln. Dazu brauchen sie Begleitung, Reibung, langsam weichende Grenzen und analoge Vorbilder.