Einsatzwoche „Summer in the City“ vom 24.08.-28.08.2020

Was war möglich trotz der Pandemie?

Wie sind Betroffene derzeit erreichbar?

Wie werden die Angebote seit der Wiedereröffnung von Bistro und Bauwagen angenommen?

Aufgrund der Einschränkungen durch Covid-19 haben wir in diesem Jahr darauf verzichtet, externe Teilnehmer aus Deutschland einzuladen. Nur interne Mitarbeiter aus allen drei Standorten (Hannover – Schorborn – Amelith) haben in kleinen Teams Szeneplätze von obdachlosen und süchtigen Menschen in Hannover, Hamburg, Braunschweig, Bielefeld, Porta Westfalica und Wolfenbüttel aufgesucht.

Teilnehmer von Summer in the City 2020 3

Unterwegs mit Kaffee, Tee, kleinen Snacks und Gutscheinen vom SOS Bistro hat es viele Gesprächskontakte und emotionale Begegnungen gegeben. Manchmal konnten wir Hilfestellung geben und beraten, ein anderes Mal fehlten uns die Worte, häufig haben wir einfach nur zugehört. Eindrücklich war zum Beispiel die Begegnung mit Hans (Name geändert), den wir schon seit vielen Jahren kennen und auf der Drogenszene in der Nähe des Hauptbahnhofes getroffen haben. Der Platz wirkt kalt, leblos, dreckig und die Atmosphäre schwer. Hans konsumiert vor allem Kokain und ist stark abgemagert. Er erzählt wehmütig davon, was er damals im Neuen Land und einer anderen christlichen Einrichtung an Positivem erlebt hat. Er sagt, dass er zum Gespräch zu uns kommen möchte, aber wir spüren, dass er es nur aus Freundlichkeit sagt und keine Hoffnung mehr für sich hat. Wir beten zusammen für ihn und erkennen, dass wir erstmal nicht mehr tun können.

Einsatz am Raschplatz

Jeder Szenenplatz hatte eine andere Atmosphäre. Am Schwarzen Bären gab es eine große Offenheit für Gespräche und Betroffene freuten sich, uns zu sehen. Hinter dem Amtsgericht war jeder mit sich selbst beschäftigt und es fühlte sich wie eine Mauer an.

Sechs ehemals drogenabhängige Mitarbeiter haben als Hoffnungsträger vielen Betroffenen aus ihrem Leben berichtet. Einer von ihnen hat sich schon während seiner Suchtkarriere gewünscht, auf der anderen Seite zu stehen und Betroffenen zu helfen.

Ehemals Betroffene als Hoffnungsträger in der Einsatzwoche 2

Unser Referent Tjard Jacobs (Blaues Kreuz) hielt uns jeden Morgen eine Bibelarbeit, in der er auch suchtspezifische Inhalte und persönliche Lebenserfahrungen weitergab. Es waren nicht die Erfolgsgeschichten, die uns für die täglichen Einsätze ausgerüstet haben, sondern die Kraft von Gottes Wort, das tiefere Erkennen von Sucht und einfach die Hoffnung, dass allein schon unsere Präsenz in der Szene etwas bewirken kann.

Am Freitagnachmittag gab es ein kleines Grillfest am Bauwagen. Die Presse und der Beauftragte für Sucht und Suchtprävention von Hannover, Frank Woike, haben daran teilgenommen. Die Lobpreislieder haben spürbar die Atmosphäre verändert, es zeigte sich Freude in vielen Gesichtern und einige haben aufmerksam die Andacht und Berichte von ehemals Betroffenen gehört.

Grillfest mit kurzem Programm zum Abschluss 2

Zur Zeit haben wir das „SOS-Bistro“ mit allen Angeboten geöffnet. Das tägliche Frühstücksangebot mit besonderen Themen (Impulsen zu den Themen Gesundheit, Sucht und Glaube) wird gut angenommen und einige Betroffene bleiben für längere Zeit im Gespräch vertieft sitzen.

Der Bauwagen hat vorerst hauptsächlich draußen geöffnet. Auch das wird gut angenommen, jedoch hat sich die Gesprächsintensität etwas verändert. Momentan versuchen wir passende Strukturen zu entwickeln, die die aktuellen Corona-Regelungen berücksichtigen und dennoch die Möglichkeit geben, unsere Gäste willkommen zu heißen, Beziehungen aufzubauen und regelmäßige intensive Gespräche zu führen. Durch die Pandemie gibt es nach wie vor die Herausforderung, dass Betroffene sich verstärkt auf den Szeneplätzen aufhalten und weniger in die Einrichtungen kommen.

Hermann Monika Regina und Detlef als Mitarbeiter für tagestrukturierend 2

Herman, Monika, Regina und Detlef als Mitarbeiter für tagestrukturierende Maßnahmen im SOS-Bistro

Marion berichtet aus ihrem Leben

Marion berichtet aus ihrem Leben

Michael Lenzen

Vorstand Neues Land Hannover

04.09.2020