Drogenkontaktcafé Bauwagen – Weihnachten im „Wohnzimmer auf der Straße“

citc201701Ein warmer Raum mitten im Zentrum von Hannover mit einer wohltuenden Atmosphäre, eingerichtet mit mehreren kleinen Tischen, Stühlen und einem Sofa, duftend nach Kaffee und einer warmen Suppe und weihnachtlich geschmückt mit Tannenzweigen und Kerzen. So empfing mich der Bauwagen, als ich während unserer Einsatzwoche „Christmas in the City“ einen Nachmittag dort verbrachte. Etwa 30 ganz unterschiedliche Menschen saßen an den Tischen und unterhielten sich: Drogenabhängige, Obdachlose, Alkoholiker, einsame ältere Menschen, Teilnehmer von „Christmas in the City“ und andere mehr. Jeder hat seine eigene Lebensgeschichte, manche sind mehr von ihr gezeichnet und andere weniger. Doch uns alle verbindet die Sehnsucht nach einem echten und gelingenden Leben, nach Liebe, Harmonie und Geborgenheit.
citc201702Draußen vor dem Bauwagen, unserem Drogenkontaktcafé des Neuen Landes, erzeugt der rege Straßenverkehr auf der Raschplatzhochbrücke und der Hamburger Allee einen unheimlichen Lärm. Der Bauwagen ist einerseits umgeben vom Hauptbahnhof Hannover, von Geschäftsgebäuden, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und öffentlichen Verkehrsmitteln. Andererseits trifft sich hinter dem Bahnhof aber auch die Drogen- und Alkoholszene, um abzuhängen und zu konsumieren. Es sind größtenteils Menschen, die an ihrem Leben oder an Schicksalsschlägen innerlich zerbrochen sind und auch selbst Schuld auf sich geladen haben. Um ihre negativen Gefühle zu verdrängen, flüchten sie sich in die Welt von Drogen und Alkohol. Für sie ist der Bauwagen wie ein Wohnzimmer auf der Straße, in dem sie zur Ruhe kommen und mit Menschen über ihr Leben und ihre Probleme reden können.
citc201704Das Drogenkontaktcafé Bauwagen des Neuen Landes gibt es inzwischen seit über 25 Jahren. Es ist einer der wenigen konsumfreien Räume in Hannover, in dem sich Drogenabhängige treffen können und willkommen sind. Da im Bauwagen keine Drogen und kein Alkohol mitgebracht und konsumiert werden dürfen, haben Drogenabhängige dort einen Rückzugsort, an dem sie in Ruhe über ein Leben ohne Drogen und ohne Substitution nachdenken können. Als niedrigschwelliges Angebot bietet der Bauwagen Drogenabhängigen die Möglichkeit, in ungezwungener Café-Atmosphäre mit Mitarbeitern über das eigene Leben und die Suchtprobleme ins Gespräch zu kommen und erste Hilfestellungen zu erfahren.
citc201705Am ersten Weihnachtstag fand im Bauwagen eine Weihnachtsfeier statt, zu der etwa 100 Menschen kamen, viele aus der Drogenszene, die wir eingeladen hatten. Vor dem Bauwagen wurde gegrillt und es gab Zeit für Gemeinschaft und Begegnungen. Während eines kleinen Weihnachtsprogramms war es im Bauwagen gerappelt voll. Es wurde gesungen und ein Teilnehmer unserer Einsatzwoche „Christmas in the City“ berichtete aus seinem Leben, wie er durch einen Autounfall zu Gott gefunden hatte.
Einer unserer Mitarbeiter hielt noch eine kurze Weihnachtsansprache, in der er jeden Einzelnen ermutigte, sein Leben Jesus Christus, dem Retter der Welt, anzuvertrauen. Er sagte, dass jeder Mensch nicht nur Hilfe braucht, sondern Errettung. Dabei erinnerte er noch einmal an das Jahresmotto des Neuen Landes anlässlich des 45-jährigen Jubiläums: „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jeremia 29, 11). Einem Mann, der vor mir saß, standen Tränen in den Augen.
Unser besonderer Dank gilt den über 60 ehrenamtlichen Teilnehmern, die sich während „Christmas in the City“ vom 18.12.-25.12.2017 für unsere Arbeit und für die Menschen von der Straße eingesetzt haben. Dieses Mal waren wir ein internationales, mehrsprachiges Team, da etwa 17 Teilnehmer aus den USA, Kanada und China kamen. Sie haben nicht nur unsere Arbeit im Bauwagen engagiert unterstützt, sondern suchten auch Menschen in der Drogenszene in Hannover, Braunschweig, Kassel und Hamburg auf.
citc201703Wir danken auch allen Freunden des Neuen Landes aus unterschiedlichen Gemeinden, die für unsere Einsatztage gebetet und uns viele kleine Weihnachtsgeschenke für die Menschen von der Straße gespendet haben. Bei unseren Weihnachtsfeiern im Bistro und im Bauwagen konnten wir sie den Menschen überreichen, die sich sehr darüber gefreut haben.
Der Bauwagen ist in unserer Stadt ein einzigartiges „Wohnzimmer auf der Straße“, in dem entmutigte, abhängige und aus der Gesellschaft ausgeschlossene Menschen das ganze Jahr über eine Hoffnungsbotschaft hören und Annahme und Wertschätzung erleben können.

Daniela Keil (B.A. Sozialarbeiterin/-pädagogin)

 

 

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27 Nov 2018;
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