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„Summer in the City 2017“ – Ehrenamtliche bringen Hoffnung in die Drogenszene

Die christliche Drogenarbeit Neues Land e.V. Hannover führte vom 20.08.-26.08.17 wieder eine Einsatzwoche in der Drogenszene durch, bei der etwa 50 ehrenamtliche Teilnehmer aus ganz Deutschland mitgemacht haben, darunter etwa 15 ehemals drogenab­hängige Menschen. Viele Teilnehmer aus anderen Städten haben sich extra eine Woche Urlaub genommen, um die Einsatztage mitzumachen. Einige Ehemalige sind im Laufe der vergangenen Jahre verantwortungsbewusste Mitarbeiter von „Summer in the City“-Einsätzen geworden; sie wurden von Hilfesuchenden zu Helfern. Es war die über 20. „Summer in the City“-Woche.

Der Aussendungsgottesdienst fand in der Walderseegemeinde statt.

Jeden Tag gingen die Teilnehmer in kleinen Teams zu den Szeneplätzen, verteilten Kaffee und Kekse, kamen mit den Menschen ins Gespräch und erlebten Gemeinschaft mit ihnen. So wurden Berührungsängste abgebaut und neue Kontakte zu Drogenabhängigen geknüpft. Die Teilnehmer luden sie in das Drogenkontaktcafé Bauwagen des Neuen Landes ein, in dem sie jeden Mittag eine kostenlose warme Mahlzeit bekommen und mit Mitarbeitern über ihr Leben reden konnten.

Es fanden auch Einsätze in der Drogenszene in Hamburg, Bremen, Porta Westfalica, Minden, Braunschweig und Wolfenbüttel statt. Hier einige Eindrücke von unserer Mitarbeiterin Alisha Giebel, die mit dabei war:

Einsatz am Cafe Connection

Dienstagmittag, 12.15 Uhr.
Die Sonne scheint uns ins Gesicht, während wir uns als Team von 3 Mitarbeitern auf den Weg zum Cafe Connection hinter dem Hauptbahnhof begeben, der Ort, an dem sich die Szene zum Konsumieren und Dealen trifft und neben Beratung und Kaffee auch sauberes Besteck für den Konsum bekommt.
„Dort sind die Leute meistens sehr verschlossen, wollen unter sich bleiben, konsumieren und nicht über ihr Leben sprechen, ein hartes Pflaster…“ wurde uns gesagt und haben wir in der Vergangenheit auch schon oftmals erleben müssen.

Doch heute sollte es anders sein.
Aus der Ferne schon werden wir erkannt, „die Leute vom Neuen Land“, man ist schnell im Smalltalk, doch dabei bleibt es nur die ersten 3 Minuten.
Wir werden ernst genommen, dürfen zum Grillfest und zum heutigen Mittagessen um 13.30 einladen, was erfreut angenommen wird.
An Gespräche über ihre Sucht reihen sich persönliche Erzählungen.
Simon(alle Namen geändert), 45 Jahre alt, Suchtmittelkonsument seit seinem 12. Lebensjahr, viele Therapien ohne Erfolgserlebnisse, hingegen jedoch einen erfolgreichen, wohlsituierten aber uninteressierten Bruder, der immer glänzte und Simon neben ihm immer wie einen Versager aussehen ließ. Seine beiden Kinder hat er lange nicht mehr gesehen. Er will nicht, dass sie ihn so erleben, sie seien besser ohne ihn dran.
Lydia, 25 Jahre alt, selber nicht am Konsumieren, dafür aber am Stoff besorgen für ihren drogenabhängigen Freund, mit dem sie seit 3 Jahren dafür kämpft, dass er durch Substitution irgendwann den Weg raus aus der Sucht schafft. „2-3mal in der Woche komme ich hier her, um ihm sein Zeug zu besorgen. Ich will nicht, dass er hier mit den Leuten abhängt, die ihn nur noch tiefer reinziehen.“
Jens, 39 Jahre alt. Sein Weg in die Heroinabhängigkeit begann mit 13 Jahren am Cafe Connection, als er mit seinen Kumpels auf der Suche nach Marihuana war. Angeboten wurde ihnen Heroin.
„Wir wussten nicht auf was wir uns einließen. Danach war es um mich geschehen.“
Schon länger kennt er Johannes und Alex vom Neuen Land, die immer wieder auf der Szene unterwegs sind.
Im Gespräch mit ihm entsteht eine Tiefe, er gewährt einen Einblick in seine Nöte und Kämpfe.
Gleichzeitig die Frage „Warum macht ihr das? Warum interessiert ihr euch für uns?“
Was für ein Gesprächsöffner doch diese Fragen sind. Über Hoffnung wird gesprochen, über die Liebe Gottes, die Möglichkeit der Heilung und die Unterstützung, die wir als Neues Land bieten wollen,
um Beziehung zu knüpfen und auf dem Weg aus der Sucht zu begleiten.

Verschlossen war heut niemand. Vielmehr war Gottes Geist spürbar. Und sein Licht, das an dunklen Orten immer besonders hell aufleuchten kann.

Drogenszene in Minden

Am Mittwochmorgen um 8 Uhr durften wir uns mit einem Auto voll Grillfleisch & Co sowie fünf motivierten Mitarbeitern auf den Weg zu einem unserer Außeneinsätze begeben.
Ziel: Die Drogenszene in Minden.
Einer der Mitarbeiter kannte die Szene noch von früher und wusste, dass sich täglich 20-30 Drogenabhängige in einer kleinen, selbstgebauten Hütte, versteckt unter Bäumen abseits einer Wohnsiedlung, zum Abhängen und Konsumieren treffen.
Bei unserer Ankunft schlug uns erst einmal geballte Ablehnung entgegen. Sollte der ganze Aufwand nun umsonst gewesen sein?
Zum Glück wurden bald alte Freunde entdeckt und das Eis begann langsam zu Schmelzen: keine Zivilpolizei oder Schaulustige, sondern Wohlgesonnene.
Wir bekamen die Erlaubnis, mit unseren 10Kg Grillfleisch, Salat, Brot, Getränken und Gitarre anzurücken, und schon nach kurzer Zeit war das Eis gebrochen.
Die Gitarre wurde ausgepackt, Gespräche entwickelten sich und es wurde ihnen deutlich, dass wir an ihnen interessiert waren.
„Die Leute meiden uns hier. Haben Angst vor uns, verurteilen. Dass Menschen kommen, um mit uns Gemeinschaft zu haben und auch noch so gutes Essen mitbringen, erleben wir nicht.“

Wir waren überglücklich als wir bemerken durften, dass nicht nur unser Essen mit Dankbarkeit und Neugierde angenommen wurde, sondern auch unsere Botschaft.
Die Müdigkeit über das eigene Leben und der Ausstieg aus der Sucht war für fast alle Leute ein Thema, tiefe Gespräche über das Gefangensein in dem Teufelskreis folgten und eine große Ehrlichkeit und Sehnsucht nach Freiheit schlug uns entgegen. So verwunderte es nicht, dass die verteilten „Auswege“ (Magazin mit Lebensberichten ehemals drogenabhängiger Menschen) mit großem Interesse durchgeblättert und studiert wurden.
Einige waren bereits an dem Punkt, dass sie eine weitere Entgiftung anstrebten. Wie gut, dass wir ihnen dazu Mut machen und ihnen bei Interesse eine Perspektive für die Zeit nach der Entgiftung anbieten konnten.
Viele Fragen über unsere Art der Therapie wurden gestellt, unsere Mitarbeiter mit Drogenvergangenheit berichteten aus ihrem Leben und Flyer mit konkreten Ansprechpartnern und Telefonnummern wurden weitergegeben und durchgesprochen.
Wir beteten für manche, sangen Lieder und durften in den mehr als 3 Stunden, die wir dort verbrachten, erleben, wie sich die Atmosphäre immer weiter veränderte.
Es war ein Kommen und Gehen, doch jeder schätzte uns Wert und freute sich über die gelungene Mahlzeit.
„Wie krass, man ist nicht nur der asoziale Junkie, sondern wird als Mensch wahrgenommen.“, höre ich jemanden zu seinem Kumpel sagen.
Wir sollen unbedingt wiederkommen, heißt es.
Das wäre auch uns ein Herzensanliegen, denn in der kurzen Zeit durften bereits Beziehungen entstehen. Gleichzeitig sind wir froh und dankbar, dass auch andere Geschwister in der Nähe sind, die sich auch für diesen Ort und seine Menschen interessieren.

Es gibt nichts Schöneres als ohne eigenes Leisten mit Gottes Liebe erfüllt zu werden und ansatzweise zu verstehen, mit welchen Augen er die Menschen sieht. Und ebenso dabei zu verstehen, mit welchen Augen er einen selbst sieht. Denn vor ihm sind wir alle gleich. (Alisha Giebel)

Ein kleines kreatives Team lieh sich ein Kanu und fuhr auf der Leine durch Hannover. Das war ein neuer Versuch. Auch sie hatten Kaffee und Kekse dabei und trafen drogenabhängige Menschen, die sich unten Brücken niedergelassen hatten. Diese waren freudig überrascht und beeindruckt, dass sich Menschen sogar über das Wasser auf den Weg zu ihnen machten. „Ihr findet uns auch überall!“, sagten sie und ließen sich auf gute Gespräche ein.

Zum Abschluss von „Summer in the City“ gab es ein Grillfest für die Szene am Drogenkontaktcafé Bauwagen, zu dem etwa 300 Drogensüchtige und Alkoholiker kamen. 600 Würstchen gingen in zwei Stunden weg.

Für die Teilnehmer war es eine sehr bewegende Woche, aus der sie viele neue Erfahrungen mitnehmen konnten:

„Summer in the City war für mich eine Woche voller wertvoller Erfahrungen. Ich sah viel Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, was mich sehr bewegte. Summer in the City ist eine gute Möglichkeit, diesen Menschen durch Gespräche und ein offenes Ohr, Wertschätzung entgegen zu bringen. Deshalb werde ich im nächsten Jahr wieder dabei sein.“ (Frithjof, 25 Jahre, aus Berlin nahm zum ersten Mal teil.)

„Mich bewegten die oft unfassbar krassen Lebensgeschichten von Menschen und auch die Liebe der Teilnehmer füreinander und für alle diese kaputten, gestrauchelten und liebenswerten Menschen auf der Straße.“ (Katharina, ehemals drogenabhängige Teilnehmerin)

Wir danken allen Teilnehmern für ihren engagierten Einsatz und allen Freunden aus unterschiedlichen Gemeinden für ihre Gebete sowie ihre Kuchen- und Salatspenden für unser Abschlussgrillfest.

Daniela Keil (Sozialarbeiterin/-pädagogin im Neuen Land)

 

 

 

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24 Okt 2017;
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27 Okt 2017;
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